Apple verlagert Produktion aus China
Das Treffen zwischen Apples COO Sabih Khan und Chinas Vize-Handelsminister Li Chenggang am 19. Dezember 2025 in Peking war mehr als ein Höflichkeitsbesuch. Es beleuchtet die komplexen Beziehungen zwischen globalen Tech-Konzernen und der chinesischen Regierung, insbesondere im Hinblick auf Handel, Lieferketten und geopolitischen Druck.
Einleitung
Am 19. Dezember 2025 traf Chinas internationaler Handelsverhandlungsführer und Vize-Handelsminister Li Chenggang in Peking mit Apples COO Sabih Khan zusammen. Offiziell ging es um Apples Geschäftsentwicklung in China. Reuters griff das Treffen am 22. Dezember 2025 auf und interpretierte es als Signal an ausländische Unternehmen. Solche hochrangigen Termine sind selten Zufall und deuten auf tiefere strategische Interessen hin.
Das chinesische Handelsministerium beschrieb das Gespräch als Austausch über die Entwicklung von Apples China-Geschäft. Li Chenggang betonte, dass Apples Präsenz mit Chinas Bestreben zur „hochrangigen Öffnung“ im Einklang stehe und zusätzliche Chancen für ausländische Firmen biete. Gleichzeitig forderte er Apple auf, „tief“ mit chinesischen Partnern integriert zu bleiben und den Markt weiter zu „bearbeiten“, was als Bitte um Kontinuität verstanden werden kann. Khan lobte die Leistungsfähigkeit und das Potenzial der chinesischen Lieferkette und kündigte an, Apple werde langfristig in China bleiben und weiter in Lieferkette, Forschung/Entwicklung und gesellschaftliche Projekte investieren. Die Betonung von „Lieferkette“ und „langfristig“ unterstreicht die Bedeutung des Treffens, da es das sensible Feld von Produktion, Zulieferern und Exportfähigkeit berührt.
Rolle des COO
Sabih Khan ist als COO für Apples weltweite Operationen zuständig. Er verantwortet das operative Zusammenspiel aus Einkauf, Fertigung, Logistik und Partnerschaften. Apple selbst beschreibt ihn als langjährigen Architekten der globalen Supply-Chain, der über Jahre Apples Lieferkette geführt hat. Dass Khan seit Ende Juli 2025 offiziell COO ist, erklärt, warum sein Name bei China-Terminen fällt – nicht mehr der von Jeff Williams. Wenn China über „Kooperation mit Partnern“ spricht, spricht es mit der Person, die diese Partnerbeziehungen operativ orchestriert.
Apples China-Strategie
China bleibt für Apple gleichzeitig Werkbank, Zuliefer-Ökosystem und Absatzmarkt. Dies zeigt sich in Apples Segmentberichterstattung, wo „Greater China“ ein eigener, materieller Umsatzblock ist, der 2025 bei 64,377 Mrd. USD lag. Die Region verzeichnete 2025 gegenüber 2024 einen Rückgang, hauptsächlich aufgrund schwächerer iPhone-Nettoverkäufe.

Quelle: appleinsider.com
Apples globale Fertigungsstandorte: Eine Karte illustriert die Verteilung der Produktion in China, Indien und Brasilien.
Parallel dazu baut Apple seit Jahren die „China-Konzentration“ in der Fertigung ab, nicht als Abbruch, sondern zur Redundanz. Reuters berichtete im April 2025, Apple wolle die meisten iPhones für den US-Markt bis Ende 2026 in Indien fertigen lassen. Im Dezember 2025 wurde bekannt, dass Apple laut Reuters sogar über erste Schritte nachdenkt, iPhone-Komponenten in Indien montieren bzw. verpacken zu lassen (OSAT-Thema), um tiefer in die Wertschöpfung zu gehen. Dies macht Pekings Perspektive nachvollziehbar: China möchte, dass Apple weiterhin „tief integriert“ bleibt, obwohl Apple geografisch diversifiziert. Solche Treffen sind nicht nur symbolisch, da eine Verlagerung von Produktionsvolumen chinesische Auftragsfertiger und lokale Netzwerke direkt betrifft.

Quelle: everstream.ai
Entwicklung der Apple-Zulieferbasis: Ein Diagramm zeigt die Verlagerung der Fertigungsstandorte zwischen 2016 und 2022.
Chinas Perspektive und Regulierung
Für Apple ist China nicht nur ein Absatzmarkt, sondern ein Umfeld, in dem Behörden indirekt Druck ausüben können. Reuters berichtete 2023, dass chinesische Behörden Mitarbeitenden in zentralen Regierungsstellen den Einsatz von iPhones und anderen ausländischen Geräten für die Arbeit untersagt hätten. Das chinesische Außenministerium erklärte daraufhin, es gebe keine Gesetze oder Vorschriften, die den Kauf und die Nutzung ausländischer Handymarken verbieten. Hinzu kommt das App-Store-Thema: Reuters meldete im Februar 2025, Chinas Kartellbehörde (SAMR) bereite eine mögliche Untersuchung zu Apples App-Store-Regeln und Gebühren vor. Im Oktober 2025 berichtete Reuters über eine formelle Kartellbeschwerde chinesischer Verbraucher gegen Apple wegen App-Store-Praktiken. Vor diesem Hintergrund ist das Peking-Treffen als „Stabilitätsgespräch“ zu verstehen: China betont Chancen und Öffnung, Apple betont Lieferkette und langfristiges Commitment.
Geopolitischer Kontext
Apple nennt Handelskonflikte, Zölle und internationale Streitigkeiten explizit als Risiken, die Lieferkette, Verfügbarkeit von Komponenten und Margen belasten können. Gleichzeitig verschärfen die USA seit Jahren Exportkontrollen bei fortgeschrittener Halbleiter- und Computing-Technologie gegenüber China, was das gesamte Tech-Ökosystem beeinflusst, in dem Apple operiert. Der CRS-Überblick zu US-Exportkontrollen beschreibt 2025 neue/erweiterte Regeln, die Chinas Zugang zu Advanced-Chips und AI-Computing stärker begrenzen sollen. In so einem Klima wirkt jedes hochrangige Treffen wie ein Versuch, operative Reibung zu reduzieren: weniger Überraschungen bei Regulierung, klarere Signale an Partner und ein Kanal, falls es knirscht.

Quelle: user-added
Verteilung der Apple-Produktionsstätten und Zulieferer weltweit. China dominiert weiterhin die Lieferkette.
Schlussfolgerung
Es gibt keinen Hinweis auf „neue Regeln“ im Sinne eines konkreten, sofortigen Policy-Wechsels – die offizielle Mitteilung bleibt bewusst allgemein. Die Rollenverteilung ist jedoch eindeutig: China adressiert Öffnung und Markterwartung, Apple adressiert Lieferkette, Investitionen und Langfristigkeit. Für Apple ist dies pragmatisch: Selbst wenn die Fertigung Richtung Indien wächst, bleibt China ein zentraler Knoten für Know-how, Zulieferteile, Kapazität und Geschwindigkeit – gerade bei Ramp-ups. Für China ist es ebenfalls pragmatisch: Ein sichtbares Bekenntnis eines Top-Operators wie Khan stabilisiert Vertrauen bei lokalen Partnern und sendet ein Signal an andere Multinationals, dass Gespräche möglich und erwünscht sind.
Das Treffen Li Chenggang – Sabih Khan ist kein „freundlicher Fototermin“, sondern ein nüchternes Stück Risikomanagement auf beiden Seiten: China wirbt um Bindung und Investitionen, Apple sichert operative Handlungsfähigkeit in einem politisch aufgeladenen Markt. Wer verstehen will, wohin die Reise geht, sollte weniger auf warme Formulierungen schauen und mehr darauf, wer spricht: Wenn der COO kommt, geht es um Lieferkettenrealität – und damit um den Kern dessen, was „West-Tech vs. China“ im Alltag tatsächlich bedeutet.