Clair Obscur Expedition 33: KI-Kunst
Die Diskussion um den Einsatz generativer KI in Videospielen hat sich am Beispiel von Clair Obscur: Expedition 33 zugespitzt. Was als einfacher Satz über KI-Nutzung begann, entwickelte sich schnell zu einer Debatte über Vertrauen, Transparenz und die Rolle von KI in der Spieleentwicklung.
Einleitung
Der Auslöser der Diskussion um Clair Obscur: Expedition 33 war ein Interview von EL PAÍS mit Producer François Meurisse. Seine Aussage „We use some AI, but not much“ entfachte eine Debatte, die über die reine Spielentwicklung hinausgeht. Meurisse präzisierte, dass der Einsatz selektiv erfolgte und Unreal Engine 5-Tools sowie Assets genutzt wurden, um Grafik, Gameplay und Cinematics zu verbessern. Diese Aussage belegt lediglich eine Form der KI-Nutzung, lässt jedoch offen, ob es sich um Konzept-Skizzen, interne Referenzen, Text-Entwürfe, Voice-Tests, Code-Hilfen oder Inhalte handelt, die im fertigen Produkt sichtbar sind. Die schnelle Eskalation der Diskussion ist weniger auf das Spiel selbst zurückzuführen, als vielmehr auf ein Umfeld, in dem „KI“ für viele ein Reizwort geworden ist und Plattformregeln strenger werden.

Quelle: notebookcheck.com
Clair Obscur: Expedition 33, Gewinner des Game of the Year, im Zentrum der KI-Kontroverse.
Steam und KI-Offenlegung
Valve hat Anfang 2024 die Steamworks-Einreichung um eine KI-Offenlegung erweitert. Im Content Survey wird nun eine Beschreibung der KI-Nutzung verlangt. Dabei wird zwischen „Pre-Generated“ (während der Entwicklung erzeugte Inhalte) und „Live-Generated“ (während des Spiels erzeugte Inhalte) unterschieden. Für „Live-Generated“ Inhalte fordert Valve zusätzlich Angaben zu Schutzmaßnahmen, die verhindern sollen, dass das System illegale Inhalte generiert. Diese Regelungen machen „KI-Nutzung“ zu einem formalen Punkt, der auf der Store-Seite als Information für Käufer erscheint.
Community-Misstrauen und Artefakte
Das Misstrauen der Community entsteht oft, wenn Spieler „KI-Artefakte“ im Spiel erkennen – Texturen, Schriftzüge oder Bilder, die typische Generator-Fehler aufweisen. Ein Steam-Thread behauptet beispielsweise, die einzige KI-Nutzung seien Platzhalter-Texturen in Zeitungen gewesen, die kurz nach Release entfernt wurden. GamesRadar+ berichtet, das Spiel sei mit vermeintlich KI-generierter Kunst „shipped“ und diese sei später per Patch entfernt worden. Die Diskussion dreht sich hier nicht um eine Systementscheidung, sondern darum, ob etwas im Build durchgerutscht und später stillschweigend korrigiert wurde. Entscheidend ist, ob Studios klar zwischen internen Hilfsmitteln und finalen Assets trennen und diese Trennung transparent dokumentieren, bevor die Community dies erzwingt.

Quelle: clawsomegamer.com
Auszug aus einem Artikel, der die Bestätigung der KI-Nutzung durch den Produzenten François Meurisse hervorhebt.
Das Label „AI Content Disclosed“
SteamDB bietet das Tag „AI Content Disclosed“ an, das automatisch gesetzt wird, wenn der spezifische Disclosure-Text auf der Steam-Store-Seite erscheint. Dieses Tag wird auch verwendet, wenn KI nur für Marketing-Assets genutzt wurde, nicht zwingend im Spiel selbst. Für Clair Obscur: Expedition 33 führt SteamDB das Spiel in der App-Übersicht und im Umfeld dieses Tags. Ein Missverständnis entsteht, da das Tag „es gibt eine Offenlegung“ signalisiert, aber nichts über den Umfang oder die Qualität der KI-Nutzung aussagt. Nutzer leiten daraus dennoch Urteile ab, da Valve auf Steam keine Filterlogik für KI-Disclosure bietet. SteamDB hat diese Lücke sichtbar gemacht.
Die Debatte nach den Awards
Die Debatte um KI-Nutzung in Clair Obscur: Expedition 33 gewann an Intensität, als das Spiel bei den The Game Awards als Gewinner in der Kategorie „Game of the Year“ ausgezeichnet wurde. Wenn ein Titel dieser Größenordnung zur Referenz wird, erhält jedes Detail, selbst ein einzelner Absatz über Tool-Nutzung, ein anderes Gewicht und wird als Signal für die gesamte Branche gelesen. Die Diskussion über generative KI in Spielen ist ohnehin intensiv, da die Valve-Regeln seit 2024 viele Studios zu einer Offenlegung zwingen, die früher nicht existierte.

Quelle: procapitas.com
Die KI-Kontroverse um Clair Obscur: Expedition 33 nach dem Gewinn des Game of the Year Awards.
Fazit und Ausblick
Clair Obscur: Expedition 33 wird als rundenbasiertes RPG mit Echtzeit-Mechaniken vermarktet, das stark auf Atmosphäre und Stil setzt, inspiriert von der Belle Époque und dem „Paintress“-Mythos. Bei einem solchen visuellen Profil ist die Erwartung an „handgemacht“ hoch, was erklärt, warum selbst geringe, unpräzise beschriebene KI-Nutzung als Bruch wahrgenommen wird. Moderne Produktionen nutzen jedoch viele Hilfsmittel, ohne dass das Endprodukt „automatisch generiert“ ist. Valve behandelt das Thema als Compliance-Frage: offenlegen, unterscheiden, Risiken begrenzen. Für Spieler bleibt Transparenz der pragmatische Test: Ist die Offenlegung konkret und passt sie zum Spiel, oder tauchen Details erst unter Druck auf?
Belegt ist, dass ein Producer „ein bisschen“ KI-Einsatz bestätigt, ohne Details zur Art der Nutzung. Ebenso belegt ist, dass Valve seit 2024 eine strukturierte Offenlegung verlangt und SteamDB diese als Tag abbildet, mit der Einschränkung, dass das Tag nichts über die Tiefe der KI-Nutzung aussagt. Alles, was darüber hinausgeht – ob bestimmte Assets tatsächlich KI-generiert waren, im Release-Build sichtbar und wie schnell sie ersetzt wurden – ist eine Frage überprüfbarer Nachweise und klarer Kommunikation, nicht von Bauchgefühl.