Frankreich: Social Media Verbot unter 15

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Lisa Ernst · 03.01.2026 · Technik · 4 min

Frankreichs Vorstoß, Social-Media-Plattformen für unter 15-Jährige zu verbieten, wirft Fragen zur praktischen Umsetzung und den Auswirkungen auf den Datenschutz auf. Der Plan, der ab dem 1. September 2026 gelten soll, könnte Europas nächste Debatte über Altersverifikation auslösen.

Frankreichs Plan

Frankreich plant, Social-Media-Plattformen den Zugang für Minderjährige unter 15 Jahren ab dem 1. September 2026 zu untersagen. Der Entwurf liegt vor und soll Anfang 2026 im Parlament beraten werden. Ziel ist es, dass Plattformen keinen "Online-Social-Network"-Dienst mehr an Minderjährige unter 15 liefern. Dies betrifft große Netzwerke wie TikTok, Instagram und Snapchat. Für die Durchsetzung ist ARCOM, Frankreichs Regulierer für audiovisuelle und digitale Kommunikation, zuständig.

Parallel dazu sollen die Handy-Regeln an Schulen bis in die Lycées hinein verschärft werden. Frankreich hatte bereits 2023 eine "digitale Volljährigkeit" bei 15 Jahren beschlossen, deren Umsetzung jedoch an Fragen der EU-Kompatibilität und praktischen Altersprüfung scheiterte.

Frankreichs Gesetzesentwurf zum Social Media Verbot für Minderjährige.

Quelle: ad-hoc-news.de

Frankreichs Gesetzesentwurf zum Social Media Verbot für Minderjährige.

Die Loi n° 2023-566 sah 2023 vor, dass unter 15-Jährige nur mit elterlicher Zustimmung und nach Prüfung von Alter und Zustimmung durch eine zertifizierte technische Lösung Zugang erhalten. ARCOM sollte Instrumente bis hin zu Sanktionen erhalten. Das Wirtschaftsministerium beschrieb, dass diese Regelung auch Bestandskonten erfassen und Übergangsfristen erfordern würde. Der aktuelle Plan zielt auf eine klarere Linie ab: unter 15 grundsätzlich kein Zugang.

Altersverifikation

ARCOM verfügt bereits über Erfahrungen mit Alterschecks im Bereich von Pornoseiten. Dort wurde ein technischer Rahmen zur Altersverifikation veröffentlicht, der das Prinzip des "Double anonymat" nutzt. Dies bedeutet, dass die Website den Nutzer nicht identifizieren kann und der Prüfer nicht weiß, welche Seite aufgerufen wird. Die CNIL (französische Datenschutzaufsicht) hat dazu Stellung genommen.

In der Debatte um die Altersverifikation für Social Media wird oft die "Face-ID"-Altersprüfung diskutiert, die Gesichts-Scans oder biometrische Altersschätzung umfasst. Die CNIL warnt jedoch seit Jahren vor intrusiven und leicht umgehbaren Systemen. Sie empfiehlt Modelle, die Daten minimieren und einen vertrauenswürdigen Dritten einschalten. Der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) fordert Age Assurance nach Prinzipien wie Datenminimierung, Zweckbindung, Sicherheit und "privacy by design". Ein System, das "über 15/unter 15" bestätigen kann, ohne den gesamten Ausweis zu kopieren, wäre regulatorisch einfacher zu verteidigen.

Eine mögliche Alltagsszene könnte so aussehen: Ein 14-Jähriger installiert Instagram. Beim ersten Login erscheint "Alter bestätigen" mit Optionen wie Foto vom Ausweis hochladen, Kurz-Scan des Gesichts oder Bestätigung über einen Drittanbieter. Die Wahl der Methode entscheidet über Vertrauen oder die Entstehung eines Umgehungsmarktes.

EU-Kontext

Frankreich versucht, seinen Plan DSA-kompatibel zu formulieren. Der DSA verpflichtet Plattformen, bei Erreichbarkeit von Minderjährigen "geeignete und verhältnismäßige" Maßnahmen für Privatsphäre, Sicherheit und Schutz von Minderjährigen zu ergreifen. Die EU-Kommission hat dazu Leitlinien veröffentlicht.

Die EU hat zudem einen Age-Verification-Blueprint veröffentlicht, der "privacy-preserving" ist und mit künftigen Digital-Identity-Wallets kompatibel sein soll. Fünf Länder, darunter Frankreich, sollen diesen in Piloten testen. Die EU-Digital-Identity-Regelung verpflichtet Mitgliedstaaten, bis Ende 2026 Wallets bereitzustellen.

Die politische Dimension der Debatte um Social Media Verbote in Europa.

Quelle: european-circle.de

Die politische Dimension der Debatte um Social Media Verbote in Europa.

Das Europäische Parlament drängt auf ein EU-weites Mindestalter von 16 Jahren, was als deutliches Signal zu verstehen ist. Reuters ordnet dies als Teil einer breiteren Forderung ein, die auch Video-Plattformen und KI-Chatbots umfasst.

Herausforderungen

Die Umsetzung des französischen Gesetzesentwurfs birgt mehrere Herausforderungen. Erstens muss eine Mehrheit im Parlament gefunden werden. Selbst Befürworter müssen erklären, wie die Regel durchgesetzt werden kann, ohne Schulen, Eltern oder Jugendliche übermäßig zu belasten.

Zweitens wird die Altersverifikation zu einer Infrastruktur-Frage. Wenn Plattformen "hart verifizieren" müssen, entsteht ein Markt für Identitäts- und Altersnachweise, der Missbrauchsrisiken birgt. Die CNIL betont daher Systeme, die Datenflüsse trennen und Identitätsdaten nicht direkt an die Zielplattform weitergeben.

Drittens könnte Ungleichheit ein Nebeneffekt sein. Wer keinen Ausweis hat, dessen Eltern nicht unterstützen oder wer aus Datenschutzgründen keine Scans durchführen möchte, könnte von legitimen Räumen wie schulnahen Communities oder Jugendprojekten ausgeschlossen werden.

Drei häufig gestellte Fragen:

Quelle: YouTube

Quelle: YouTube

Fazit

Frankreichs "Social Media Verbot unter 15" ist mehr als ein einzelnes Gesetz; es ist ein Testlauf für die zukünftige Altersverifikation. Es stellt sich die Frage, wer diese Infrastruktur aufbaut: Nationalstaaten, Plattformen oder die EU. Der Erfolg des Plans hängt nicht vom Plenarsaal ab, sondern davon, ob ein Klick im Login-Fenster Schutz bietet oder neue Datensammlungen und Ungleichheiten schafft.

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