Rohit Prasad verlässt Amazon AI

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Lisa Ernst · 22.12.2025 · Technik · 5 min

Rohit Prasads Abschied von Amazon zum Jahresende ist Teil einer umfassenden Reorganisation. Amazon bündelt KI-Modelle, eigene Chips und Quantenprojekte unter Peter DeSantis. Diese Neuausrichtung signalisiert eine strategische Verschiebung hin zu einem integrierten „Stack“-Denken, das Silizium bis zum Modell umfasst.

Amazons KI-Strategie

Amazon-CEO Andy Jassy bestätigte, dass Rohit Prasad Amazon am Ende des Jahres verlassen wird. Diese Entscheidung wird von Reuters und Business Insider als Teil einer größeren Umstrukturierung in Amazons KI- und Cloud-Bereich eingeordnet. Prasad kam 2013 zu Amazon, um Alexa aufzubauen, die heute Hunderte Millionen Kunden täglich erreicht. In den letzten zwei Jahren leitete er den Aufbau von Amazon Nova und der internen „AGI“-Organisation, die zwölf Foundation Models hervorbrachte, die von Zehntausenden Unternehmen genutzt werden. Diese Entwicklung positionierte Prasad als Chefingenieur für ein eigenes Modellportfolio, wie Reuters berichtet. Der Begriff „AGI“ bleibt Amazons interne Bezeichnung und wird hauptsächlich durch Memos und Berichterstattung sichtbar, wie The Verge feststellt.

Rohit Prasad, der scheidende Amazon AI-Chef.

Quelle: americanbazaaronline.com

Rohit Prasad, der scheidende Amazon AI-Chef.

Jassy bezeichnet den aktuellen Zeitpunkt als „inflection point“ für neue Technologien. Peter DeSantis übernimmt die Leitung einer neuen Organisation, die umfassende KI-Modelle (einschließlich Nova und „AGI“), Silizium-Entwicklung (Graviton, Trainium, Nitro) und Quantencomputing umfasst. DeSantis berichtet direkt an Jassy, was die Konzernpriorität des Themas unterstreicht. Reuters und die Financial Times bestätigen diese breitere Neuaufstellung. DeSantis ist seit über 27 Jahren bei Amazon, war am Start von EC2 beteiligt und verantwortete die Infrastruktur- und Utility-Computing-Welt, die über 38 Regionen und 120 Availability Zones reicht. Er trieb 2015 die Übernahme von Annapurna Labs voran, aus der Amazons Custom-Silicon-Team hervorging.

Rohit Prasad, eine Schlüsselfigur in der Entwicklung von Amazon Alexa.

Quelle: adgully.com

Rohit Prasad, eine Schlüsselfigur in der Entwicklung von Amazon Alexa.

Pieter Abbeel wird das „frontier model research team“ leiten und weiterhin mit dem Robotics-Team zusammenarbeiten, wie Reuters berichtet. Amazon hatte 2024 Abbeel und weitere Covariant-Gründer eingestellt und Covariants Robotik-Foundation-Models lizenziert, was TechCrunch beschreibt. Abbeel ist somit Teil einer längerfristigen „Robotics + Foundation Models“-Strategie mit einem klaren Forschungsauftrag im Kern der Modell-Organisation.

Technologische Säulen

Jassy verweist auf die Vorteile der gemeinsamen Optimierung „über Modelle, Chips sowie Cloud-Software und Infrastruktur“. Die Nova-2-Modelle wurden bei re:Invent vorgestellt und versprechen „reasoning capabilities“ bei „industry-leading price performance“. AWS kündigte Nova 2 Lite als schnelles, kostengünstiges Modell für Alltags-Workloads und Nova 2 Pro (Preview) für komplexe Multi-Step-Aufgaben an. Die Nova-Familie ist im AWS-Produktkatalog verfügbar. Die technische Realität für Teams läuft meist über Amazon Bedrock, wo Amazons Eigenmodelle und Partnerangebote wie Anthropic zusammenlaufen. AWS beschrieb Nova 2 Lite ausführlicher im AWS-News-Blog und betonte den Einsatz für „agentic-AI applications“. Amazon bündelt re:Invent-Ankündigungen, darunter Bedrock-AgentCore, Trainium3 UltraServers und neue Graviton-Prozessoren. re:Invent 2025 fand vom 30. November bis 4. Dezember in Las Vegas statt.

Quelle: YouTube

Jassy listet Graviton, Trainium und Nitro als Beispiele für „silicon development“ auf. AWS positioniert Graviton als Prozessorfamilie, die „best price performance“ für EC2-Workloads liefern soll. Graviton-basierte EC2-Instanzen können bis zu 40 % bessere Preis-Leistung gegenüber vergleichbaren x86-Instanzen bieten. Trainium ist AWS’ eigene Accelerator-Familie für Training und Inference. Im Dezember 2025 kündigte AWS „EC2 Trn3 UltraServers“ an, die Trainium3 mit bis zu dreifacher Leistung und mehr „output tokens per megawatt“ bieten sollen. Nitro-Instanzen kombinieren dedizierte Hardware und eine leichtgewichtige Hypervisor-Architektur, die die EC2-Infrastruktur prägt.

Quantencomputing ist der dritte Pfeiler der neuen Organisation. Amazon Braket ist ein Managed Service für Quantencomputer und Simulatoren. Im März 2025 stellte Amazon den eigenen Quantum-Chip „Ocelot“ vor, der die Fehlerkorrektur effizienter machen soll, mit einer behaupteten Größenordnung von bis zu 90 %. Die Kopplung von Quantencomputing mit KI und Chips dient der zentralen Bündelung langfristiger, rechenintensiver Plattformthemen, um Infrastruktur, Roadmaps und Investitionslogik aufeinander abzustimmen.

Quelle: YouTube

Marktkontext und Ausblick

Amazons KI-Strategie verfolgt einen zweigleisigen Ansatz: eigene Modelle und einen Marktplatz über Bedrock. Ein zentraler Partner ist Anthropic. Amazon investiert zusätzlich 4 Milliarden US-Dollar in Anthropic, was das Gesamtinvestment auf 8 Milliarden US-Dollar erhöht und AWS zum primären Cloud- und Trainingspartner macht. Claude-Modelle sind über Bedrock konsumierbar, und AWS listet unterstützte Claude-Modelle für die Bedrock-Messages-API auf. Die DeSantis-Reorganisation koppelt Amazons Eigenmodellprogramm (Nova/„AGI“) enger an die Infrastruktur-Ökonomie, während Bedrock die Breite über Partner behält. Dies ist eine Aufteilung: Differenzierung über Stack und Effizienz, Auswahl über Plattform.

Zu beobachten ist, wie schnell Nova 2 aus „Ankündigung + Preview“ in stabile Verfügbarkeiten wächst. AWS „What’s New“ und die Bedrock-Modelldokumentation sind hierfür Indikatoren. Zweitens, ob Amazon das Preis-Performance-Narrativ mit den eigenen Chips messbar hinterlegt. Trainium3 Leistungs- und Effizienzbehauptungen sowie Referenzarchitekturen sind der Lackmustest. Drittens, wie die Research-Linie unter Abbeel sichtbar wird, sei es in Veröffentlichungen, Benchmarks oder Kooperationen, wie im Memo erwähnt. Viertens, welche Rolle Quantencomputing in der Praxis bekommt. Braket und Ocelot müssen in Workloads, Programmen und Industriepartnerschaften münden, die über Pilotprojekte hinausgehen.

Rohit Prasads Abschied zum Jahresende ist bestätigt durch das Amazon-Memo und Medienberichte. Die wichtigere Nachricht ist die neue Führungsstruktur unter Peter DeSantis, die Nova/„AGI“, Custom Silicon (Graviton/Trainium/Nitro) und Quantencomputing direkt unter dem CEO zusammenführt. Dies ist als „KI wird Plattform-Engineering“ zu verstehen: Optimierung von Kosten, Performance, Infrastruktur und Roadmap, parallel zu einem Partner-Ökosystem, das über Bedrock und dessen Dokumentation sichtbar ist.

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